Gerafi

Kritiken

Falter:

"Mit überschäumender Spielfreude, überdrehtem Slapstick und unbekümmertem Nonsens"

"Rasant, präzis, ansteckend gut gelaunt"

Ganze Kritik

Stilistisch ist den spaßigen Furioso, das das Kabarett-Duo Gerafi in seinem dritten Programm "Zusammen sind wir individuell" abfackelt, schwer beizukommen: Mit überschäumender Spielfreude, überdrehtem Slapstick und unbekümmertem Nonsens verkörpt es comichafte Charaktere, nimmt hohle Daily-Soap-Dialoge, artifizielle Rap-Battle-Attitüden und dramatische Musical-Duette auf die Schaufel und entspinnt dabei märchenhaft eine satirische Buddy- und Bodyswitch-Komödie über Freundschaft, Leidenschaft und ungleiche Lebenswege. Rasant, präzis, ansteckend gut gelaunt - und vor verblüffend jungem Publikum. "Bei uns ist die erste Reihe schon älter als bei denen der ganze Saal", bemerkt Robert Blöchl vom Duo BlöZinger, der dieses hochkomische Theater zusammen mit Ursula Bleyer inszeniert hat. 

Die Presse:

"Gerafi überzeugt in seinem dritten Kabarettprogramm mit präzisem Timing und überraschenden Wendungen."

"Gerald Dell'mour und Rafael Wagner spielen mit Herz und Freude."

"Schicke, vegane Bobos."

Ganze Kritik

 (DiePresse.com)

Da geht man ins Kabarett – und plötzlich findet man sich in einem Singspiel wieder. So machen Gerafi das immer. Die zwei guten Freunde Gerald Dell'mour und Rafael Wagner haben mit „Zusammen sind wir individuell“ im November ihr drittes abendfüllendes Programm im Theater am Alsergrund zur Premiere gebracht. Sie wechseln flott zwischen sketchartig gespielten Szenen und solchen, in denen die Figuren sich singend unterhalten – bzw. ihr Innerstes in Form von Liedern nach außen kehren. 

Warum so viele Songs? Die Antwort gibt im Stück Rafael Wagner in der Figur als Werbeagentur-Boss: „Ein Song? Information und Manipulation über Emotion? Eine gute Idee!“ Der „Falter“ schrieb, dass das Publikum von Gerafi bei der Premiere so überraschend jung war. Die „Presse“ wundert das nicht – denn die zwei Niederösterreicher verbreiten einen Hauch von Jugendtheater im Saal.

Schmähs und Slapstick erinnern an manch Teenie-Komödie aus den USA. Auch die Namen der Protagonisten in dem Fünf-Figuren-Stück für zwei Personen lassen vermuten, dass das Stück im angloamerikanischen Raum angelegt ist: Der eine heißt Geoffrey Efferson, der andere Randy Jack Johnson. Doch sobald Ortsnamen oder U-Bahn-Stationen vorkommen, weiß man: Die Geschichte spielt in Österreich, zwischen Wien und St. Pölten. Ortsnamen außerhalb von Österreich kommen nur vor, wenn sie witzig oder ordinär klingen wie Darmstadt, Wixhausen oder Pissen. Drei Paradeorte in Deutschland, denen der Werbefuzzi Geoffrey in diesem Stück durch neue Werbekonzepte zum Touristenboom verhelfen soll.

Mit Herz und Freude

Geoffrey, das ist der eine der Freunde, die sich in „Zusammen sind wir individuell“ über 20 Jahre aus den Augen verloren hatten. Randy, das ist der andere. Im übertrieben kindisch gespielten Einstieg waren diese zwei als Kinder noch auf der selben sozialen Stufe und beste Freunde. Doch 20 Jahre trägt Geoffrey Anzüge und bucht einen Urlaub in den Malediven, während Randy sich nicht einmal leisten könnte, einen Maledivenurlaub zu stornieren. Er kellnert, um sich ein Leben als erfolgloser YouTube-Rapper zu ermöglichen.

Das Schicksal – und die von Robert Blöchl und Ursula Bleyer inszenierte Dramaturgie – bringen die zwei Burschen wieder zusammen. Es kommt zum Wiedersehensrausch. Mit einem magischen Erwachen: Das Piratenamulett des Urururururgroßvaters verursachte einen Seelentausch: Für 24 Stunden ist Geoffrey Randy und Randy Geoffrey. Diese zweite Hälfte des Stücks funktioniert wunderbar – wieder wähnt man sich in einem US-Film, allerdings diesmal in einer Verwechslungskomödie.

Gerald Dell'mour und Rafael Wagner spielen mit Herz und Freude. Vor allem bei stark pantomimisch angehauchten Szenen merkt der Zuseher, wie viel Arbeit in Timing und Präzision gesteckt wurde. Sei es im Zeitlupen-Sketch oder bei Jack Sparrow mäßigen Fight-Szenen.

Lacherfolge durch Ungesagtes

Apropos Pantomime: Gerafi bringen gern durch Ungesagtes das Publikum zum Lachen. Etwa wenn sie durch ein riesiges Schild auf dem Kopf klarstellen, wen die Figur darstellt: „Kaffeehausbesucher“ oder „unterbezahlter Klavierspieler“ liest man in großen Lettern auf dem Zettel.

Solche plakativen Schmähs gleichen Gerafi zwischendurch mit Tiefgang aus: Etwa bei dem gesellschaftskritischen Song über schicke, vegane Bobos, die nicht auf ihr Smartphone verzichten wollen, obwohl sie wissen, wie viel Raubbau im Kongo dafür betrieben wird. „Was ist schon ein bisschen Leid gegen permanente Erreichbarkeit?“, singen sie. Auch zum Schluss transportieren Gerafi eine Message: „Lebe deinen Traum“. Das Lied bleibt als Ohrwurm in den Köpfen der Zuseher, die über ein Happy End der so liebenswürdig gezeichneten Figuren glücklich sein dürfen.

diekleinkunst.com:

"Ein Feuerwerk an Gags und Situationskomik, das seinesgleichen sucht."

"Es ist unmöglich, sich all die Pointen und Einfälle zu merken"

"...ein kongeniales Team, das es versteht, das Publikum durch einmalige Ausdrucksweise, originelle Gags und perfekte Zusammenarbeit bis ins kleinste Detail in ihren Bann zu ziehen und für beste Stimmung zu sorgen."

Ganze Kritik

Schon der Titel „Zusammen sind wir individuell“ lässt erahnen, dass Gerafi mit einer unkonventionellen Darbietung aufwarten werden, und so kam es auch. Das Programm war ein Feuerwerk an Gags und Situationskomik, das seinesgleichen sucht. DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern hat im Theater am Alsergrund einen sehr heiteren Abend verbracht.

Was will man mehr als ein Publikum, das lauter lacht als die Darsteller sprechen und sie am Schluss nicht von der Bühne lassen will? GerafiGerald Dell’mour und Rafael Wagner – haben dieses Ziel jedenfalls mit Bravour erreicht. Zu recht. Die beiden engagierten Kabarettisten sind eigentlich Journalist und Musiker und setzen ihre Talente zur Komik auf der Bühne perfekt um.

Das Programm „Zusammen sind wir individuell“ erzählt die Geschichte von zwei Freunden, die in ihrer Kindheit aufgrund eines Umzuges den Kontakt verlieren. 20 Jahr vergehen, bis man sich zufällig wieder trifft. Geoffrey ist inzwischen Mitarbeiter in einer renommierten Werbeagentur, arbeitet 24/7 und gibt alles für Job und Karriere. Dass seine Bedürfnisse dabei auf der Strecke bleiben, verwundert nicht. Randy hingegen ist Musiker, das heißt, er wäre es gern. Leben kann er – mehr schlecht als recht – nur vom Kellnern. Aber zumindest Stress ist für ihn ein Fremdwort.

Als sich die beiden konträren Freunde wieder über den Weg laufen, mischt sich das Schicksal in Form eines magischen Amuletts ein: Da sich beide wünschen, einmal der Andere zu sein, geht dieser Wunsch in Erfüllung. Nun muss der eine schier unlösbare Aufgaben „seines“ Chefs bewältigen, während der andere vor der Herausforderung eines Rap-Wettbewerbs steht … Chaos vorprogrammiert – oder doch nicht?

Entlang dieser Handlungslinie bringen Gerafi in jeder Hinsicht vollsten Einsatz, sei es mit einem pantomimischen Schwertkampf ohne Schwert oder einem Selfie-Rap (großartig) vor einem virtuellen Handy. Die Ausstattung ist minimalistisch, aber die Vorstellungskraft des Publikums wird perfekt unterstützt, zumal die Darstellungen sehr realistisch sind. Eine Perücke genügt, schon hat man die umwerfende Sekretärin vor Augen, und Rollenbeschreibungen als Hut sorgen ggf. dafür, dass man weiß wer gerade agiert, so zum Bespiel „Radio“ oder „unbezahlter Klavierspieler“.

Bemerkenswert sind nicht nur die witzigen Ideen, sondern auch die Performance auf allen Ebenen: Wortwitz, Schauspiel und Musik sind in dieser Kombination einmalig, und die beiden Darsteller optimal aufeinander eingespielt. Jede Bewegung und jedes Stichwort passen perfekt. Dieses Programm verlangt den beiden sehr gute Kondition und Beweglichkeit ab, was aber kein Problem für sie ist. Und das Beste: Man merkt, dass es auch ihnen viel Spaß macht!

Es ist unmöglich, sich all die Pointen und Einfälle zu merken, Highlights waren aber unter anderem die unverständliche Telefonstimme des nicht sichtbaren Gesprächspartners, Bemerkungen wie „die ersten drei Probejahre“ oder die Entscheidung, statt „Morgensport“ morgen Sport zu machen (daher ja auch die Bezeichnung!), aber auch die Tatsache, sich nicht einmal leisten zu können, einen Maledivenurlaub zu stornieren, geschweige denn zu machen. Und der gemeinsame Tango – der allein ist schon einen Besuch wert! Da stört es auch nicht weiter, dass beim Singen ab und zu ein Ton nicht haargenau getroffen wird.

Bei allem Klamauk, der ein Garant für beste Stimmung ist, bauen die beiden aber durchaus auch Botschaften ein, die Stoff zum Nachdenken geben. Nicht nur, dass man einmal selbst hinterfragt, was denn wirklich wichtig ist im Leben und welche Änderungen dazu nötig wären – es werden auch Themen wie soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und Menschenrechte angesprochen, allerdings ohne schwermütig oder belehrend zu wirken.

Und ein wichtiger Hinweis für die Damen im Publikum: Die Zugabe! Achtung Kreisch-Alarm, jedenfalls geht es da etwas hitziger zu ...

Fazit: Gerafi sind ein kongeniales Team, das es versteht, das Publikum durch einmalige Ausdrucksweise (verbal und schauspielerisch), originelle Gags und perfekte Zusammenarbeit bis ins kleinste Detail in ihren Bann zu ziehen und für beste Stimmung zu sorgen. Zusammen sind sie jedenfalls nicht nur individuell, sondern auch großartig. Bitte weiter so!

DieKleinkunst-Redakteurin Marion Kern

ZONGO – [Liebe ist doch analog]

Kritik im "Falter" [47/14]

In der Kabarettszene weht ein frischer Wind:
Die jungen Burschen Gerald Dell'mour und Rafael Wagner sind Gerafi und legen mit "Zongo" eine Vorstellung hin, die man ihnen mal nachmachen muss. Zongo, das ist das allgegenwärtige Internet, direkt in die Köpfe der Menschen eingepflanzt und "verpflichtendes Recht für alle". Mit unbändiger Spielfreude, genialen Musikeinlagen und einer gesunden Portion Selbstironie verkörpern Gerafi die Story des Aufdeckerjournalisten Frank Future, der es wagt, wieder selbstständig zu denken. Ein Abend an der Schnittstelle zwischen intelligenter Gesellschaftskritik und komplettem Nonsense, der unheimlich Spaß macht.

- Valerie Kattenfeld

Kritik auf "DieKleinkunst.com" [21.10.2014]
 
Das Kabarettduo GERAFI liefert in seinem ersten größeren Programm eine tadellose Vorstellung mit vollstem (Körper-!)Einsatz auf der Bühne während der gesamten Spielzeit. Man sieht den „Biss“ und das Engagement (wenn doch nur manche etablierten Kabarettisten zumindest die Hälfte an Power zeigen würden...) und auch die Freude am Spiel. Die Stimmung bei der Premiere im Theater am Alsergrund war sehr gut, und ein größtenteils junges Publikum besuchte diese Vorstellung. 
 
Die beiden Kabarettisten sind in der Tat ein kongeniales Duo:  Sie sind bestens aufeinander eingespielt. Beide sind vielfach talentiert: Das Kabarettprogramm bietet daher eine sehr gute Mischung: GERAFI zeichnet sich aus durch das zweifellos vorhandene schauspielerische Talent: Allein durch die Darstellung, die Mimik, durch den Slapstick werden unterhaltende Szenen geboten.

Mehr konstruktives Feedback:

Manche Dialoge sind ähnlich der US-Filmserien formuliert, in einem Sketch am Schluss der Vorstellung auch in Parodie von Comic-Dialogen, die die Lachmuskeln erfreuen.

Musikalisch ist festzustellen, dass unter anderem auch Raps (die hinsichtlich der Performance professionell dargestellt werden, aber auch vom Text und auch vom Rhythmus her passend sind) und sogar musicalartige Songs dargeboten werden. Klavier und Gitarre kommen oft zum Einsatz. 

Die ausgewählten Requisiten erhöhen schon den "Fun-Faktor" beträchtlich: Sie sind mit Absicht generell aus Pappe oder Ähnlichem (Darstellung von Krawatte, Frisur, Haare, Phaser, Gitarre, Masken etc.) hergestellt, und aufgrund des Kontrastes dieses Materiales und Aussehens zum eigentlich Darzustellenden wiederum skurril und lustig.

Die Handlung selbst dreht sich unter anderem um die "Liebe": Beispielsweise werden romantic comedies im tv/cinema beleuchtet oder Tipps fürs Leben gegeben. Aber auch der immer stärkere Einzug der Digitalisierung, insbesondere der Computer, in unser Leben wird ironisch unter die Lupe genommen. In einem Blick in die Zukunft wird dargestellt, dass die Verwendung von social networks, das Posten von Fotos und selfies und die digitale Kommunikation im Allgemeinen (besonders aber innerhalb einer Partnerschaft) eine entscheidende Rolle spielen. Mit dem „Analogen“ (z.B. Umblättern eines Notizblockes; Umgang mit einem Walkman,..) kommen die Menschen nicht mehr zu recht. Der auf dem Kopf befestigte Zongo, eine futuristische Maschine, die die "neuronalen Synapsen" der Menschen beeinflusst, hat große Bedeutung. Kann man sich vom Zongo lösen und dem Analogen wieder eine Chance geben? Kommt Journalist Future diesen Fragen auf die Spur? Welche Rolle spielt aber der Professor?

Mehr möchte ich von der Handlung aber nicht verraten, sondern die Leser nur ermuntern, sich Zeit zu nehmen und diese Vorstellung zu besuchen. Es lohnt sich!  Das Publikum und damit auch ich haben uns sehr gut unterhalten.

Getreu dem Leitsatz von GERAFI in diesem Kabarettprogramm sollte man auch hinsichtlich ihrer zukünftigen künstlerischen Pläne – und da werden hoffentlich noch viele folgen – immer "online bleiben".

DieKleinkunst-Redakteur Manfred Aumann 

Kritik auf "blog4kultur.wordpress.com" [26.11.2014]

“Zongo – Liebe ist doch analog” heißt das neue Kabarettprogramm von Gerald Dell’mour und Rafael Wagner. Als Duo Gerafi erzählen sie die Science-Fiction-Geschichte des Journalisten Frank Future, der das Geheimnis hinter “Zongo” aufdecken will. Dabei handelt es sich um ein Computerprogramm, das über Antennen in die Köpfe der Menschen eingepflanzt und mit dem Internet verbunden ist.

Gerafi bieten dem Publikum zwei Stunden lang GameBoy-Musik, Pappkarton-Kostüme, Gesang, Rap, Musical, Tanz, Puppentheater und Schauspiel in bewusst übertriebener Form.

Fazit: Unter Kabarett stellt man sich etwas Anderes vor. Gerafi präsentieren eher eine “All inclusive”-Theaterkomödie, eine rasante, überladene Leistungsschau mit höchstem Aufwand. Das ist – wahrscheinlich eher für junges Publikum – abwechslungsreich und zumeist sehr unterhaltsam.

- Florian Kobler